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19. Gefahrguttag Schweiz «on tour» vom 14. Juni 2017

  • 23.06.2017

Etablierte Tagung in innovativem Gewand

 

Ein neuer Tagungsort, ein neuer Blickwinkel auf das Gefahrgutrecht und ein neuer Weg, Fachwissen in Kleingruppen zu vermitteln – der diesjährige Gefahrguttag Schweiz war abwechslungsreich gestaltet und zeigte einmal mehr, weshalb sein Besuch sich lohnt.

Detaillierte Informationen erhalten Sie hier.

Der von der Swiss TS und GeFaSuisse veranstaltete 19. Gefahrguttag Schweiz war in vieler Hinsicht ein besonderer. So fand er für einmal nicht im Euroairport Basel, sondern in der Region Zofingen statt, und es standen weniger die Vorschriften selbst, sondern die Geschichte sowie die Entwicklung des Regelwerks zur Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse (SDR/ADR) im Vordergrund. Und dies mit gutem Grund, feiert das ADR heuer doch sein 60-jähriges und die nationale Vorschrift SDR ihr 45-jähriges Bestehen. Zum andern ermöglichte der Gefahrguttag in seinem praktischen Teil erstmals allen Teilnehmenden das Absolvieren sämtlicher Fachmodule, die dieses Jahr in Form von Posten auf dem Gelände der Chemiewehrschule in Zofingen – eben «on tour» – in Kleingruppen vermittelt wurden.

 

Wie es zum ADR kam

Für den Rückblick auf die Entstehung und die Entwicklung des Gefahrgutrechts konnten die Veranstalter einen ausgewiesenen Kenner der Materie verpflichten: Klaus Ridder blickt auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Gefahrgutbereich zurück und hat sich u.a. als Fachbuchautor einen Namen gemacht. Er schaffte es, in weniger als einer Stunde den Anwesenden in einem sehr lebendigen und unterhaltsamen Referat die Geschichte des Gefahrgutrechts näherzubringen. Erste Bestimmungen stammen aus dem 18. Jahrhundert und betrafen den sicheren Umgang mit Schiesspulver, während im 19. Jahrhundert Gasflaschen mit unzuverlässigen Schweissnähten oder militärische Gründe – zu viele Dienstuntaugliche wegen gefährlicher Kinderarbeiten – Anlass für Vorschriften boten. Richtig los mit dem Gefahrgutrecht ging es aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die rasante Zunahme des Welthandels rief nach einer internationalen Harmonisierung der bestehenden Transportvorschriften jedes einzelnen Verkehrsträgers. So entstand 1957 mit den UN-Empfehlungen ein schmales Büchlein mit Gefahrzetteln und -klassen als Grundlage der globalen Vereinheitlichung. Das darauf basierende ADR trat am 30. September 1957 in Kraft. Es ist heute – mit deutlich grösserem Umfang – von 49 Staaten ratifiziert, wobei nationale Ergänzungen mit gewissen Abweichungen bestehen, so zum Beispiel in unserem Land das am 24. Mai 1972 eingeführte SDR. Treiber des Gefahrgutrechts waren immer Un- und Zwischenfälle sowie neue Technologien. So warf zum Beispiel der plötzlich aus den USA auftauchende Tankcontainer anfänglich viele Fragen auf, wie dieser sicher auf Bahn und Lastwagen transportiert werden konnte. Es mussten umgehend international anerkannte Regeln für die zu transportierenden Gefahrgüter geschaffen werden. Auch bei den heute im Zweijahresrhythmus erfolgenden gesetzlichen Überarbeitungen muss man sich vor Augen halten, dass alle neuen Regeln in allen Ratifizierungsstaaten harmonisiert sein müssen. Dass dies nicht immer eine einfache Sache ist, zeigte Klaus Ridder anhand eines Organigramms und schilderte die teils skurrilen Umstände, die sich dabei gerade auch aufgrund der Mehrsprachigkeit und der Übersetzungen über mehrere Sprachen hinweg ergeben können. Mit zu den Unterlagen, die alle Tagungsteilnehmer erhielten, gehörte auch eine von Klaus Ridder verfasste umfangreiche historische Abhandlung des Gefahrguts, die zu lesen und aufzubewahren sich unbedingt lohnt.

Vor dem Mittagessen ging es dann im Plenum weiter mit einem Vortrag von Kurt Friderich, dem Leiter der Chemiewehrschule Zofingen. Er ermunterte anhand vieler Beispiele dazu, sich Gedanken über die mitzuführende ADR-Schutzausrüstung zu machen, umso mehr als die Vorschriften dabei Spielraum nach oben lassen. Im Vordergrund sollten dabei stets die eigene Sicherheit und das zuverlässige Verhindern von Folgeschäden stehen. Nicht zuletzt kann es auch in versicherungstechnischer Hinsicht durchaus von Belang sein, ob in einem Ereignisfall eine angemessene Ausrüstung zur Verfügung stand oder nicht.

 

Attraktiver Postenlauf

Per Bus ging es nach der Mittagspause auf das Gelände der Chemiewehrschule. Dort waren zweimal je fünf Posten aufgebaut, die alle Teilnehmer in kleinen Gruppen im Turnus besuchten. Die Posten boten eine Mischung aus dem bisher gepflegten Gefahrgutparcours und den sonstigen Kleinmodulen, vermittelten sie doch auch theoretisches Wissen. Im Gefahrgutrecht ein Dauerbrenner sind die Lithium-Ionen-Batterien, die aufgrund des enthaltenen brennbaren Elektrolytes heftig brennen können. Wer bisher nur aus den Medien von Mobilgeräten erfahren hatte, die plötzlich zu brennen beginnen, konnte sich am Gefahrguttag nun selber von der potenziellen Gefahr dieser Batterien überzeugen. Brandgefährlich sind aber auch Unfälle mit Tank- oder Kesselwagen, die entzündliche Stoffe befördern. An einem weiteren Posten wurden die wichtigsten Kenntnisse zu Ventilen, Kupplungen, Befüllöffnungen und möglichen Leckstellen bei Havarien vermittelt. Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden ihr Wissen über die zum Binden von Chemikalien und Öl verwendeten Mittel oder über den Umgang mit undichten Verpackungen vertiefen. Schliesslich galt es eine Situation mit einem ausgetretenen Gefahrgut zu beurteilen. Was unternimmt man zuerst? Wie gross ist die Gefährdung? Welche Massnahmen sind zu treffen? Hier waren das ganze Wissen aus allen Kapiteln des ADR sowie Kenntnisse des sicherheitsbezogenen Verhaltens gefragt.

Den Tagungsleitern ist es erneut gelungen, den 19. Gefahrguttag Schweiz aktuell und innovativ anzugehen und den Blick dabei auch aus einem neuen Winkel auf das Gefahrgutrecht zu lenken. Der nächste Gefahrguttag Schweiz, in seiner 20. Ausführung, findet am 13. Juni 2018 statt – wie immer  mit gesetzlichen  Neuerungen, aktuellen Themen sowie einem interaktiven Gefahrgut-Quiz.

Tagungsbericht (PDF)